
75 Jahre RDA – Jubiläums-Mitgliederversammlung in Imst: Bustouristik zwischen Herausforderungen und Zukunftschancen
Gruppenreise-Ziele.com berichtet aus Tirol: Beim 75-jährigen Jubiläum des RDA standen die Interessenvertretung der Bustouristik, wirtschaftliche Herausforderungen und der Zusammenhalt der Branche im Mittelpunkt.
Bei traumhaftem Herbstwetter und bereits schneebedeckten Berggipfeln fand am 22. Oktober 2026 die RDA-Mitgliederversammlung in Imst statt. Sie war Teil der Jubiläums-Jahrestagung zum 75-jährigen Bestehen des RDA Internationaler Bustouristik Verband, die vom 21. bis 25. Oktober in Tirol veranstaltet wurde.
88 Mitglieder waren der Einladung gefolgt und wurden von RDA-Präsident Benedikt Esser herzlich begrüßt.
Positive Bilanz und wichtige Verbandsthemen
Die Wahlleitung übernahm Hannes Staggl vom Hotel Hirschen in Imst. Zum neuen Rechnungsprüfer wurde Andreas Wildegger von RUHR Tourismus gewählt, zum stellvertretenden Rechnungsprüfer Oliver Graf von HIN Touristik.
Erfreulich fiel der Geschäftsbericht 2025/2026 aus: Der RDA konnte das Geschäftsjahr positiv abschließen.
Präsident Esser betonte außerdem die Bedeutung einer starken politischen Interessenvertretung in Berlin und insbesondere in Brüssel. Die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerverbänden wie der österreichischen WKO und der Schweizer ASTAG soll weiter intensiviert werden.
Auch das Verhältnis zwischen RDA und bdo wurde thematisiert. Unterschiedliche Positionen, unter anderem zur Elektromobilität im Reisebusverkehr und zur möglichen Einbindung von FlixBus in das Deutschlandticket, erschweren derzeit eine engere Zusammenarbeit.
Ein Rückblick auf den Zusammenhalt der Bustouristik
Im Jubiläumsjahr wurde auch an den 17. Juni 2020 erinnert. Damals demonstrierten während der Corona-Pandemie über 1.000 Reisebusse in Berlin, um auf die dramatische Situation der Branche aufmerksam zu machen.
Im Zusammenhang mit diesen Protesten sagte der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer 170 Millionen Euro Soforthilfen für die Busbranche zu.
Dieser Tag bleibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, welche politische Wirkung die Bustouristik entfalten kann, wenn Unternehmen und Verbände gemeinsam auftreten.
Ein Zusammenhalt, der gerade angesichts der heutigen Herausforderungen wieder besonders wichtig ist!
Steigende Kosten und verändertes Reiseverhalten
In unseren persönlichen Gesprächen mit Busunternehmern wurde deutlich, dass vor allem die gestiegenen Dieselpreise viele Unternehmen belasten.
Einige Gesprächspartner berichteten von Dieselzuschlägen zwischen zwei und drei Euro pro Person und Reisetag. Andere verzichteten auf Nachforderungen und übernahmen die Mehrkosten selbst.
Für die Reisekataloge 2027 rechnen mehrere Unternehmen deshalb mit spürbaren Preisanpassungen.
Auch beim Buchungsverhalten zeigen sich Veränderungen: Einige Busunternehmer berichten von einer geringeren Nachfrage nach Flug-Bus-Kombinationen und einem stärkeren Interesse an kürzeren Reisen. Teilweise werden die Busse deshalb wieder verstärkt für Vereins-, Gruppen- und Sonderfahrten eingesetzt.
Auch der Ausfall von Flusskreuzfahrten könnte das Buchungsverhalten beeinflussen. Wenn geplante Flussreisen nicht stattfinden können, müssen Reiseveranstalter und Gäste auf alternative Angebote ausweichen. Dadurch könnten klassische Bus- und Gruppenreisen als Ersatzangebote an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig gewinnt die Mindestteilnehmerzahl an Bedeutung. Bei zu geringer Auslastung werden Reisen zunehmend abgesagt, da sie wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind.
Nachhaltige Mobilität als Zukunftsaufgabe
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen wird auch die Elektromobilität im Reisebusverkehr die Branche weiter beschäftigen.
Moderne Elektro-Reisebusse eröffnen neue Perspektiven. Damit sie sich langfristig im touristischen Reiseverkehr etablieren können, braucht es jedoch eine geeignete Ladeinfrastruktur – auch bei Hotels, Destinationen und touristischen Einrichtungen.
Hier sind Unternehmen, Verbände und Politik gleichermaßen gefordert.
Unser Fazit: 75 Jahre RDA – gemeinsam in die Zukunft!
Die harmonische Mitgliederversammlung wurde bereits kurz nach 11:15 Uhr beendet.
Das 75-jährige RDA-Jubiläum zeigt, wie wichtig eine starke Interessenvertretung für die mittelständische Bustouristik ist.
Unsere Gespräche in Imst haben zugleich verdeutlicht, dass steigende Betriebskosten, verändertes Buchungsverhalten und die Mobilitätswende die Branche auch 2027 intensiv beschäftigen werden.
Gerade deshalb braucht die Bustouristik mehr Zusammenarbeit, faire politische Rahmenbedingungen und eine starke gemeinsame Stimme.
Der 17. Juni 2020 in Berlin hat gezeigt, was durch Zusammenhalt möglich ist. Daran gilt es anzuknüpfen!
Wir gratulieren dem RDA herzlich zum 75-jährigen Bestehen und bedanken uns für die informative Mitgliederversammlung und die Gastfreundschaft in Imst!