
bdo-Branchentag in Berlin: Der Reisebus als Wirtschaftsfaktor und Zukunftsthema
Steuerliche Rahmenbedingungen, hohe Kraftstoffkosten, Fahrermangel, Digitalisierung und die Bedeutung busfreundlicher Destinationen: Bei der bdo | Tourismus Werkstatt am 6. Oktober 2026 in Berlin standen zentrale Zukunftsfragen der Bus- und Bustouristikbranche im Mittelpunkt.
Die Veranstaltung folgte auf die interne Jahreshauptversammlung des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) und brachte Busunternehmen, Reiseveranstalter, Destinationen und touristische Leistungsträger zusammen. Am Abend wurde der Austausch beim bdo | Abend der Buswirtschaft fortgesetzt.
Faire Wettbewerbsbedingungen für den Reisebus
Zu den diskutierten Themen gehörten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche. Im Fokus standen unter anderem die unterschiedliche Mehrwertsteuerbelastung von Bahn und Bus, die hohen Kraftstoffkosten sowie die Forderung nach einem Gewerbediesel.
Gerade für mittelständische Busunternehmen sind verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen entscheidend, um auch künftig attraktive Reiseangebote kalkulieren und anbieten zu können.
Bustourismus schafft Wertschöpfung in den Destinationen
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Vorstellung der neuen Studie „Wirtschaftsfaktor Bus“ durch Dr. Bernhard Harrer vom dwif. Bereits im Vorfeld hatte der bdo angekündigt, mit der Studie die wirtschaftliche Bedeutung des Reisebusses und dessen Wertschöpfungseffekte für Destinationen und touristische Betriebe zu beleuchten.
Nach den auf der Veranstaltung präsentierten Zahlen steht der Bustourismus für einen Bruttoumsatz von rund 15 Milliarden Euro jährlich. Besonders bemerkenswert: Ein Euro für eine gebuchte Busreise kann demnach bis zu 5,80 Euro Umsatz bei touristischen Leistungsträgern auslösen.
Damit wurde einmal mehr deutlich, welche Bedeutung Busgruppen für Hotels, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen und ganze Destinationen haben können.
Gleichzeitig fiel der Begriff des „Robinson-Syndroms“: Statt darauf zu warten, dass Gruppen von selbst kommen, sollten Destinationen aktiv um den Bustourismus werben und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.
Wo ist der Reisebus wirklich willkommen?
Ein Punkt, der auch aus Sicht von Scherzers Gruppenreise-Ziele entscheidend ist: Reisegäste und Busunternehmen merken sehr genau, wo Reisebusse willkommen sind – und wo Zufahrtsbeschränkungen, fehlende Stellplätze oder andere Hürden einen Besuch zunehmend erschweren.
Welches Potenzial der Reisebus für einzelne touristische Anbieter besitzt, zeigte beim Branchentag unter anderem das Beispiel Europa-Park: Nach den dort genannten Zahlen kommen jährlich rund 850.000 Besucher mit dem Reisebus.
Neue Wege gegen den Fahrermangel
Auch der anhaltende Busfahrermangel beschäftigte die Branche. Vorgestellt wurden unter anderem internationale Ansätze zur Gewinnung und Qualifizierung neuer Fahrer. So setzt MOTIBA auf die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften unter anderem aus Usbekistan, während die TÜV Rheinland Akademie ebenfalls Qualifizierungsangebote präsentierte. Beide Unternehmen gehörten zu den Ausstellern der Tourismus-Werkstatt.
Daneben spielte die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle. KI ist auch in der Bus- und Tourismusbranche längst kein reines Zukunftsthema mehr, sondern wird zunehmend Bestandteil der täglichen Arbeit.
Weniger Bürokratie als wichtiges Signal für den Mittelstand
Beim anschließenden Austausch am Abend wurde außerdem über den Abbau bürokratischer Belastungen gesprochen. Nach den Eindrücken vor Ort wurde angekündigt, dass mehr als 4.000 Berichtspflichten beziehungsweise entsprechende Regelungen überprüft und teilweise abgeschafft werden sollen.
Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen könnte eine tatsächliche Reduzierung von Dokumentations-, Nachweis- und Berichtspflichten eine spürbare Entlastung bedeuten.
Premiere für die „Top Bus Destination 2026“
Ein Höhepunkt der Tourismus-Werkstatt war die erstmalige Auszeichnung besonders busfreundlicher Reiseziele mit dem Titel „Top Bus Destination 2026“. Der neue Wettbewerb des bdo wird von MAN Truck & Bus Deutschland und Daimler Buses unterstützt und soll Destinationen würdigen, die den Reisebus aktiv in ihre touristische Planung einbeziehen.
Ausgezeichnet wurden nach der Preisverleihung in Berlin Bremerhaven, der Europa-Park sowie die Leuchtenburg in Thüringen.
Damit setzt der Wettbewerb ein wichtiges Zeichen: Gute Bedingungen für Busse und Busreisende sind nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern ein bedeutender Bestandteil erfolgreicher touristischer Vermarktung.
Unser Fazit aus Berlin
Der Reisebus besitzt enormes Potenzial für den Tourismus. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen Politik, Destinationen und Branche gemeinsam an den richtigen Rahmenbedingungen arbeiten.
Dazu gehören faire steuerliche Bedingungen, bezahlbare Energie, weniger Bürokratie, ausreichend Fahrer sowie Destinationen und touristische Leistungsträger, die den Reisebus und seine Gäste bewusst willkommen heißen.
Genau hier liegt auch eine große Chance: Wer heute gute Voraussetzungen für Busgruppen schafft, stärkt nicht nur die Busbranche – sondern die touristische Wertschöpfung in der gesamten Region.