
Bustouristik 2027: Fünf Entwicklungen, die der Branche neue Chancen bieten
Wie entwickelt sich die Bustouristik im kommenden Jahr? Welche Herausforderungen bleiben bestehen – und wo eröffnen sich neue Möglichkeiten für Busunternehmen und Gruppenreiseveranstalter?
Nach über 44 Jahren Erfahrung im Bus- und Gruppenreisemarkt und zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Branchenvertretern, unter anderem beim RDA-Treffen in Imst, wagen wir einen Ausblick auf das Reisejahr 2027.
Dabei geht es uns nicht um eine statistische Vorhersage, sondern um Beobachtungen aus der Praxis: Welche Entwicklungen beschäftigen Busunternehmer derzeit besonders? Und welche Chancen könnten sich daraus ergeben?
1. Klassische Busreisen könnten gegenüber kombinierten Flug-Bus-Angeboten an Bedeutung gewinnen
Kombinierte Flug- und Busreisen stellen Veranstalter vor besondere organisatorische Herausforderungen. Flugausfälle, Verspätungen oder Schwierigkeiten bei der kurzfristigen Abstimmung können Reiseabläufe erheblich beeinträchtigen.
In Gesprächen berichteten uns einzelne Busunternehmer, dass sie solche Angebote inzwischen kritischer betrachten oder sich teilweise daraus zurückziehen.
Unser Ausblick für 2027: Reiseangebote, bei denen der gesamte Reiseablauf in der Hand eines Busreiseveranstalters liegt, könnten für bestimmte Zielgruppen an Attraktivität gewinnen. Planbarkeit, persönliche Ansprechpartner und durchgängige Betreuung sind dabei wichtige Argumente.
2. Flexibilität wird zu einer besonderen Stärke des Reisebusses
Wie wertvoll flexible Reiseplanung sein kann, zeigen Erfahrungen aus der vergangenen Saison. So berichteten uns Hoteliers von kurzfristigen Anfragen durch Busunternehmen, die nach ausgefallenen Flusskreuzfahrten alternative Reiseprogramme organisierten.
Ob Bergregion, Weinlandschaft oder kulturell interessante Destination: Der Reisebus eröffnet Veranstaltern die Möglichkeit, auf Veränderungen zu reagieren und ihren Gästen attraktive Alternativen anzubieten.
Unser Ausblick für 2027: Flexibel kombinierbare Reisebausteine und verlässliche Partner vor Ort könnten für Busreiseveranstalter weiter an Bedeutung gewinnen.
3. Die Busreise kann auch für bisherige Individualreisende interessant werden
Steigende Kosten für Kraftstoff, Maut und Parkplätze beeinflussen die Kalkulation vieler Reisender. Hinzu kommen der organisatorische Aufwand und die Belastung längerer Autofahrten.
Einige Busunternehmer berichteten uns, dass sie neue Gäste gewinnen konnten, die zuvor überwiegend mit dem eigenen Pkw unterwegs waren.
Eine organisierte Busreise bietet neben der gemeinsamen Anreise auch den Vorteil, dass Programm, Unterkünfte und weitere Leistungen bereits aufeinander abgestimmt sind.
Unser Ausblick für 2027: Busreiseveranstalter könnten zusätzliche Zielgruppen ansprechen, wenn sie die Vorteile ihrer Angebote – Komfort, Organisation und ein transparentes Gesamtpaket – noch stärker herausstellen.
4. Komfort, Qualität und persönliche Betreuung bleiben wichtige Verkaufsargumente
Der moderne Reisebus bietet heute ein hohes Maß an Reisekomfort. Großzügige Sitzabstände, hochwertige Ausstattung und individuell gestaltete Reisekonzepte ermöglichen Angebote für unterschiedliche Ansprüche.
Manche Veranstalter setzen bewusst auf kleinere Reisegruppen und besonders komfortabel ausgestattete Fahrzeuge.
Doch nicht nur die Ausstattung zählt: Auch persönliche Betreuung, ein gut durchdachtes Programm und die Qualität der Leistungspartner prägen das Reiseerlebnis.
Unser Ausblick für 2027: Wer sich über Qualität, Komfort und besondere Reiseerlebnisse positioniert, kann sich stärker vom reinen Preiswettbewerb abheben.
5. Kürzere Reisen und flexible Angebote gewinnen an Bedeutung
Viele Busunternehmen berichten, dass ihre Gäste genauer auf das Reisebudget achten. Kurzreisen und überschaubare Reiseprogramme können dabei eine attraktive Alternative zu längeren Urlaubsreisen sein.
Auch die Branchendaten zeigen eine Veränderung: Laut RDA sank die durchschnittliche Dauer einer Busurlaubsreise von 10,7 Tagen im Jahr 2024 auf 9,5 Tage im Jahr 2025.
Gleichzeitig erleben Veranstalter unterschiedliche Buchungsmuster. Neben langfristig geplanten Gruppenreisen gibt es auch Gäste, die ihre Entscheidung erst vergleichsweise kurzfristig treffen.
Unser Ausblick für 2027: Attraktive Kurzreisen, flexibel gestaltete Programme und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis dürften wichtige Erfolgsfaktoren bleiben.
Unser Fazit: Chancen nutzen, Herausforderungen im Blick behalten
Die Bustouristik steht auch 2027 vor Herausforderungen. Steigende Betriebs- und Personalkosten, wirtschaftliche Unsicherheiten und veränderte Erwartungen der Reisegäste verlangen den Unternehmen weiterhin viel ab.
Dennoch sehen wir nach zahlreichen Gesprächen mit Busunternehmern durchaus positive Perspektiven.
Der Reisebus verbindet Eigenschaften, die im Tourismus besonders wertvoll sind: Flexibilität, Komfort, persönliche Betreuung und die Möglichkeit, Reiseerlebnisse aus einer Hand anzubieten.
Ob daraus 2027 tatsächlich zusätzliche Marktanteile entstehen, bleibt abzuwarten. Die Chancen sind jedoch vorhanden – insbesondere für Unternehmen, die ihre Stärken klar kommunizieren, auf veränderte Gästewünsche reagieren und attraktive Reiseprogramme entwickeln.
Unser Eindruck: Die organisierte Busreise hat auch 2027 viel Potenzial. Entscheidend wird sein, wie die Branche dieses Potenzial nutzt.
Eine persönliche Brancheneinschätzung von Scherzers Gruppenreise-Ziele auf Grundlage langjähriger Markterfahrung, Gesprächen mit Busunternehmern und aktuellen Brancheninformationen.
Quelle zur Entwicklung der Reisedauer: RDA Internationaler Bustouristik Verband, Pressemitteilung vom 1. Oktober 2026.