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Elektro-Reisebus auf dem Vormarsch – LBO-Videokonferenz zeigt Perspektiven für die Bustouristik

15. Oktober 2026 | Ladeinfrastruktur und Elektromobilität im Reisebusverkehr

Mit rund 43 Teilnehmern fand heute eine interessante und zukunftsorientierte Videokonferenz des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) zum Thema Ladeinfrastruktur für Elektro-Reisebusse statt.

Die zentrale Erkenntnis: Der Elektro-Reisebus ist längst keine reine Zukunftsvision mehr. Die Technik ist bereits heute für viele Einsatzbereiche geeignet – entscheidend ist jetzt der Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Tourismus und Elektromobilität wachsen zusammen

Unter Bezugnahme auf die dwif-Studie zum Bustourismus in Bayern wurde die wirtschaftliche Bedeutung des Reisebusverkehrs erneut hervorgehoben. Frau Dr. Götz vom Freistaat Bayern und Frau Möller stellten die Zusammenhänge zwischen Tourismusentwicklung und Elektromobilität heraus.

Deutlich wurde: Auch im Freistaat Bayern rückt die Elektrifizierung des Reisebusverkehrs zunehmend in den Mittelpunkt.

MAN Lion’s Coach E – der Elektro-Reisebus kommt

Herr Kies von MAN stellte den neuen MAN Lion’s Coach E vor. Bereits im Januar sollen die ersten Elektro-Reisebusse nach Norwegen ausgeliefert werden.

Mit Blick auf das Jahr 2030 werden sich die Rahmenbedingungen für den Reisebusverkehr voraussichtlich erheblich verändern.

Alternative Kraftstoffe wie HVO100 können eine Übergangslösung darstellen, sind aufgrund von Verfügbarkeit und langfristigen Perspektiven jedoch nicht die alleinige Antwort auf die Mobilitätswende.

Die erfolgreiche Elektrifizierung des ÖPNV zeigt bereits heute, welches Potenzial elektrische Busantriebe besitzen.

Viele Reisebusfahrten sind bereits heute elektrisch möglich

Aus der Diskussion zur Ladeinfrastruktur wurde deutlich, dass ein großer Teil der Reisebus-Einsätze aus Shuttle-Verkehren und kürzeren Tagesfahrten besteht.

Nach den vorgestellten Einschätzungen liegen rund 70 Prozent der Einsätze in solchen Bereichen.

Martin Scharf von Scharf Reisen geht davon aus, dass bereits heute rund 60 Prozent der üblichen Reisebusstrecken mit einem Elektro-Reisebus bewältigt werden können.

MAN bietet Busunternehmen zudem individuelle Elektromobilitätsberatung an, um Einsatzmöglichkeiten, Reichweiten und Ladebedarf zu prüfen.

Best Practice: Sechs Ladepunkte am Schloss Linderhof

Ein besonders interessantes Praxisbeispiel präsentierte Herr Fischer von den Ammergauer Stromwerken.

Am touristischen Besuchermagneten Schloss Linderhof wurden sechs Ladepunkte für Elektro-Reisebusse installiert, die derzeit flexibel auch von Pkw genutzt werden können.

Mit zunehmender Nachfrage durch Elektro-Reisebusse soll die Pkw-Nutzung entsprechend reduziert werden.

Die Firma Alpitronic war maßgeblich an der technischen Umsetzung beteiligt.

Investitionsvolumen: rund 500.000 Euro.

Die Ammergauer Stromwerke betrachten diese Investition langfristig. Gerade mit Blick auf die Oberammergauer Passionsspiele 2030 und das 400-jährige Jubiläum der Passionsspiele 2034 wird eine steigende Auslastung erwartet.

Dieses Beispiel zeigt, wie touristische Destinationen schon heute die Voraussetzungen für den Elektro-Reisebus von morgen schaffen können.

Auch der Ausbau der Lkw-Ladeinfrastruktur hilft

Der zunehmende Aufbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw eröffnet zusätzliche Perspektiven für Elektro-Reisebusse.

Technisch geeignete und zugängliche Lkw-Ladepunkte können grundsätzlich auch von Elektro-Reisebussen genutzt werden.

Wichtig bleiben ausreichende Rangierflächen, passende Ladeanschlüsse und eine entsprechende Zugänglichkeit.

Wien zeigt, wohin die Entwicklung gehen kann

Auch internationale Städte setzen verstärkt auf emissionsfreie Mobilität.

Wien verfolgt eine zunehmende Elektrifizierung des innerstädtischen Busverkehrs. Die Entwicklung zeigt, dass emissionsfreie Reisebusse künftig auch beim Zugang zu touristischen Innenstädten Vorteile haben könnten.

Für Busreiseveranstalter wird die Frage des Antriebs damit langfristig auch zu einer Frage der Wettbewerbsfähigkeit.

Scharf Reisen: 80.000 Kilometer mit zwei Elektro-Reisebussen

Besonders überzeugend waren die Praxiserfahrungen von Martin Scharf, einem Pionier der Elektro-Reisebusentwicklung.

Nach dem Umbau eines Diesel-Reisebusses auf Elektroantrieb betreibt Scharf Reisen mittlerweile zwei Elektro-Reisebusse.

Beide Fahrzeuge haben innerhalb eines Jahres zusammen rund 80.000 Kilometer zurückgelegt – nach seinen Angaben ohne technische Schwierigkeiten.

Auch wirtschaftlich zeigt sich ein erhebliches Potenzial.

Bei einer beispielhaften Kalkulation mit 30 Litern Diesel je 100 Kilometer, 130 kWh Strom je 100 Kilometer, einem Dieselpreis von 2,40 Euro und einem Betriebshof-Strompreis von 0,25 Euro ergeben sich für 80.000 Kilometer:

  • Diesel-Reisebus: 57.600 Euro Energiekosten
  • Elektro-Reisebus: 26.000 Euro Energiekosten
  • Rechnerische Energieersparnis: 31.600 Euro

Hinzu kommen mögliche Einsparungen bei Wartung und Verschleiß. Die Anschaffungs- und Ladeinfrastrukturkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Diese Beispielrechnung ist keine tatsächliche Kostenabrechnung von Scharf Reisen, verdeutlicht aber das wirtschaftliche Potenzial.

Fazit: Die touristische Ladeinfrastruktur wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Die heutige LBO-Videokonferenz hat gezeigt, dass die Entwicklung der Elektro-Reisebusse zunehmend Fahrt aufnimmt.

Die Fahrzeuge werden leistungsfähiger, erste Unternehmen sammeln positive Praxiserfahrungen und touristische Destinationen beginnen, gezielt in Ladeinfrastruktur zu investieren.

Jetzt sind die Tourismusregionen, Städte, Hotels, Ausflugsziele und Energieversorger gefordert, gemeinsam mit den Busunternehmen die notwendige Infrastruktur aufzubauen.

Denn eines ist klar: Der Reisebus ist schon heute eines der effizientesten Verkehrsmittel für Gruppenreisen. Mit dem Elektroantrieb kann er seine ökologische Bedeutung weiter ausbauen.

Wer heute in Ladeinfrastruktur für Elektro-Reisebusse investiert, schafft einen Wettbewerbsvorteil für den Tourismus von morgen.